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Im Spätsommer 2024 stand ein außergewöhnliches Fotoprojekt auf meinem Plan: Die fotografische Interpretation des Jokers, angelehnt an Joaquin Phoenix‘ eindringliche Darstellung. Was als spontane Idee während eines Besuchs in einer Kölner Tiefgarage Ende 2023 begann, entwickelte sich zu einem der intensivsten Shootings 2024.

Die Tiefgarage des Mediaparks präsentierte sich mit ihrer rohen Betonästhetik, den harten Schatten und dem gedämpften Licht als perfekte Bühne. Dort, zwischen Stützpfeilern und Parkplatzmarkierungen, erkannte ich das Potenzial für eine düstere Inszenierung – eine Umgebung, die den inneren Zerfall und die Isolation der Joker-Figur visuell unterstreichen könnte.

Fotografie - Marc Lehmann - Leverkusen

Anfang 2024 startete ich einen Casting-Aufruf im Netz. Gesucht wurde nicht einfach nur ein Cosplayer mit Kostüm, sondern jemand, der bereit war, vollständig in die Psyche dieser komplexen Figur einzutauchen. Marco aus Hannover meldete sich – und bereits im ersten Austausch wurde deutlich: Seine Hingabe zum Detail, sein authentisches Kostüm und seine Bereitschaft, die Rolle emotional auszufüllen, machten ihn zur idealen Besetzung.

Für dieses Projekt verließ ich mich ausschließlich auf die Sony Alpha 7R V in Kombination mit zwei speziell ausgewählten Objektiven:

  • Tamron 35-150mm f/2-2.8 für flexible Bildkompositionen und dynamische Perspektivwechsel

  • Sigma 105mm f/1.4 für intensive Porträts mit cremigem Bokeh und dramatischer Tiefenwirkung

Eine bewusste Entscheidung prägte das gesamte Shooting: Kein einziger Blitz, keine LED-Panels, keine Aufheller. Ausschließlich das vorhandene Umgebungslicht der Tiefgarage sollte die Szenerie formen. Diese Reduktion auf natürliche Lichtquellen verlieh den Aufnahmen eine raue, ungeschönte Authentizität – genau das Gefühl, das zum Charakter passte.

Die Rohbilder waren nur der erste Schritt. In der Nachbearbeitung galt es, den Comic-Charakter der Figur mit der düsteren Realität der Location zu verschmelzen. Mein Ziel war eine Farbstimmung, die an die cinematografische Qualität des Films erinnert, ohne dabei zur bloßen Kopie zu werden.

  • Kühle Schatten: Ich betonte die cyanfarbenen Töne in den Schatten, um die kühle und bedrückende Atmosphäre der Tiefgarage zu unterstreichen.
  • Warme Highlights: Gleichzeitig arbeitete ich gezielt mit warmen Farben in den Highlights, um das Kostüm des Jokers – insbesondere die roten und gelben Elemente – hervorzuheben.
  • Kontraste: Durch eine ausgewogene Anpassung von Kontrasten entstand ein Look, der sowohl die Dramatik als auch die Comic-Wurzeln der Figur betont.


Dieses Farbkonzept orientiert sich zwar am Stil des Kinofilms, interpretiert ihn aber fotografisch neu – angepasst an die spezifischen Lichtverhältnisse und die individuelle Performance von Marco.

Fotografie - Marc Lehmann - Leverkusen

Am selben Sonntag fand am Mediapark der Treppenlauf 2024 statt – Dutzende Feuerwehrleute in voller Ausrüstung nahmen an dem Wettkampf teil. Zwischen den Aufnahmen mit Marco entdeckte ich die Gelegenheit und fragte spontan einen der Feuerwehrmänner, ob er Lust hätte, für ein Bild zu posieren. Zu meiner Freude stimmte er sofort zu.

Dieser spontane Moment verdeutlichte mir erneut eine grundlegende Wahrheit der Fotografie: Die wertvollsten Bilder entstehen oft durch Flexibilität und den Mut, einfach zu fragen. Nicht alles muss akribisch geplant sein – manchmal führt die Bereitschaft, auf unerwartete Situationen zu reagieren, zu den interessantesten fotografischen Ergebnissen.

Dieses Shooting war eines meiner – für mich persönlich – interessantesten Projekte im Jahr 2024. Es war ein Experiment in visueller Reduktion: Wie viel Atmosphäre lässt sich mit minimalen technischen Mitteln erzeugen? Wie weit kann die Verschmelzung von Location, Performance und Bildbearbeitung gehen?

Die Antwort liegt in den finalen Bildern: Eine Serie, die die Grenze zwischen Fotografie und Filmstill verschwimmen lässt – roh, intensiv und narrativ dicht.

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